2012 und 2018                      Familienfreundliche Gemeinde
Kleinsteinhausen

Mardellen im Geseil- und Scheuerwald

 Eine Besonderheit in unseren Wäldern sind die mit mehr oder weniger Regenwasser gefüllten Erdmulden, Mardellen oder Pfuhle genannt. Sie haben keinen Zulauf und sollten auch keinen Ablauf haben. Es sind kleine Biotope, die im Wandel der Jahreszeiten und je nach Wasserstand vielfältigen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum bieten. Aber wie sind sie entstanden ? 

Laut Wikipedia  werden  als Mardellen, sowohl temporär, als auch ganzjährig wassergefüllte Geländemulden, bezeichnet. Sie haben keinen Zu- oder Ablauf und speisen sich aus Regenwasser. Dadurch variiert der Wasserstand, je nach Jahreszeit, unter Umständen sehr stark. Durch den Umstand des ständigen Wechsels des Wasserstandes, hat sich eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren an das Leben in Mardellen angepasst. Wobei Flora und Fauna sich von Mardelle zu Mardelle unterscheiden. Mardellen können sowohl flache Dolinen, welche natürlich, durch Senkung des Bodens entstanden sind, als auch künstliche Gruben sein, welche ab der Eisenzeit durch Materialentnahme zu Bau- und Töpferzwecken ausgehoben wurden.

Bei uns blieben nur die im Wald erhalten. Pfuhle,  die im offenen Gelände lagen wurden verfüllt, um sie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.

Es ist es also naheliegend, dass die Mardellen in unseren Wäldern durch Menschenhand schon in grauer Vorzeit entstanden sind. Da Lehm wasserstauende Eigenschaften hat, sammelte sich in den Gruben das Regenwasser. Lehm ist neben Holz der älteste Baustoff. Auch die hier siedelnden Kelten und Römer verwendeten Lehm für ihre Hütten und Häuser, was von den folgenden germanischen Stämmen übernommen wurde. Vielleicht findet man heute noch in den ältesten Häusern Holzdecken  die mit Lehm verfüllt sind. Für einen guten Vorratskeller gibt es nichts Besseres als einen gestampften Lehmboden. Heute kommt man wieder auf Lehm als gesunden Baustoff zurück, weil er eine dämmende und feuchtigkeitsregulierende Eigenschaft hat.

Im Geseilwald zählte ich 5 Mardellen, 2 davon mit Regenwasser gefüllt, 2 ziemlich verlandet und eine ganz ausgetrocknet. Im Scheuerwald fand ich nur zwei, beide mit Regenwasser gefüllt .Die Einzelbäume an den Mardellen wurden im Zuge des BAT Konzeptes (Konzept zum Umgang mit Biotopbäumen, Altholz und Totholz) mit weißen Schlangenlinien gezeichnet, was auch die Suche der Pfuhle sehr erleichtert, die sich teilweise sehr versteckt an schwer zugänglichen Stellen befinden..

Da die Pfuhle kulturhistorische Bedeutung haben. auch  mystische Orte mit einer ganz besonderen Ausstrahlung sind,  müssen sie unbedingt geschützt werden. 

 Helga Freyer









Renaturierung Mardellen

Die Daniel Thysohn Stiftung renaturiert die beiden Mardellen im Scheuerwald.

Die verlandete Humusschicht wir ausgebaggert ohne die Lehmschicht zu beschädigen. Die künstlich angelegten Abflüsse werden verschlossen und Bäume und Sträucher am Rand entfernt. Auf dem Bild erkennt man, dass die Hälfte ausgebaggert ist und dort bleibt auch das Wasser stehen.

 

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